WETTBEWERB

MATTHÄIKIRCHHOF

LEIPZIG

Wettbewerb Matthäikirchhof

Der Matthäikirchhof war schon immer ein sehr geschichtsträchtiger Ort. Früher bekannt unter dem Namen Stasi/Volkspolizei Zentrale, heute ist er Teil des öffentlichen Stadtraums. Obwohl die Bürgerinnen und Bürger Leipzigs den Matthäikirchhof im Zuge der friedlichen Demonstration 1989 zurückerobert haben, konnte die Öffentlichkeit ihn sich nie wieder zunutze machen. Bis heute stehen die Winkelbauten wie übermächtige Mahnmale symbolisch für einen Unort der Unfreiheit und Intransparenz. Jeder Weg endet vor einer geschlossenen Wand. Als die Wettbewerbsauslobung bekannt gegeben wurde, konnte auch das DENK-Team die Füße nicht mehr stillhalten und beteiligte sich an dem Wettbewerb.

Die erste Kernidee dieses Entwurfs ist es die geschlossenen Fassaden der Winkelbauten nicht nur symbolisch, sondern wortwörtlich zu durchstoßen und neue Wege, Plätze und Verbindungen zu schaffen. Obwohl sie nicht denkmalgeschützt sind, haben die Gebäude eine stadtgeschichtliche Relevanz. Um dieser Bedeutung gerecht zu werden, entwickelt der Entwurf sie als starkes, architektonisches Thema. Die zweite Kernidee konzentriert sich auf den Neubau des Bundesarchivs für Stasi-Unterlagen im südlichen Teil des Grundstücks. Wir wollten keinen Baukörper schaffen, der nur für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen oder auf Antrag zugänglich ist, sondern das neue Archiv zu einem demokratischen, für die Menschen erlebbaren Stadtraum machen und auch in diesem Sinne neue Wege gehen.

Ein neuer Weg zwischen Richard-Wagner-Platz und Matthäikirchhof, der Fußgängerinnen und Fußgänger priorisiert, bildet die zentrale Achse des Entwurfs. Wer vom Richard-Wagner-Platz auf den Matthäikirchof geht, kommt an verschiedenen Freiräumen und Plätzen vorbei – jeder mit einer eigenen Qualität für verschiedene Nutzergruppen. Der Weg selbst endet aber nicht vor dem Stasiriegel: Ein Durchbruch bildet ein symbolisches Zitat an die Leipziger Geschichte. Statt vor einer undurchdringlichen Wand zu stehen, können die Menschen dieses neue Tor durchschreiten. Sie gelangen so zum neuen Platz der Demokratie zwischen der alten Leipziger Stasi-Zentrale und dem neuen Bundesarchiv für Stasi-Unterlagen.

In unserer Vision vom neuen Matthäikirchof treffen Gastronomie und Galerien auf kleine Gewerbe, Büros, Arztpraxen und attraktiven Wohnraum in bester Lage: Unser Entwurf organisiert die Nutzung dezentral und durchmischt, aber mit zwei zentralen Treffpunkten. So entsteht ein vielfältiges, diverses Angebot. Während das nördliche Quartier eher ruhig und von kleinen Gewerben sowie privatem Wohnraum geprägt ist, bietet der südliche Teil viel Raum für Bildung, Austausch und lebendigen Trubel. In der Umgebung des zentralen Platzes entstehen vorwiegend Grünflächen. Die bestehenden Grünstreifen bleiben erhalten und werden ergänzt. Gemeinsam mit dem anschließenden Promenadenring bilden sie eine grüne Oase für das Quartier, von dem auch die überhitzten, angrenzenden Straßenzüge profitieren.

Auch die Gebäude tragen einen Teil zur Begrünung und damit zur klimatisch-lufthygienischen Konzept bei. Durch extensiv begrünte Dachterrassen und Fassaden erhöht sich die Aufenthaltsqualität und die Gebäude werden zusätzlich gekühlt.

Auftraggeber
-
Entwurfsverfasser
Standort
Leipzig
Projektkategorie
Wettbewerbe
Merkmale
Städtebau
Umnutzung
Nachhaltigkeit
Leistung
Vorplanung
Leistungsphase
LPH 2
Brutto-Grundfläche (BGF)
Planung
2023
Baugenehmigung
Fertigstellung